Seit Kurzem bin ich dabei, mir eine neue Welt zu erschließen: Die Welt der Musik.

 

Ich habe es immer bedauert, kein Instrument zu beherrschen, und hatte Zweifel, ob ich das Gehör, die Fingerfertigkeit, die Auffas-sungsgabe und die Ausdauer, kurz: das Talent, dafür habe. Mittlerweile kommt noch erschwerend mein nicht mehr ganz jugendli-ches Alter dazu. Aber wenn ich vielleicht auch kein Künstler sein mag, als Künstlernatur fühle ich mich allemal und neben Sprache und Bildern ist Musik eine der Formen, mich auszudrücken

 

Ein Musik erfahrener Kollege und ein italienischer Musikprofessor brachten mich mit dem Thema Musik in Berührung und weckten mein Interesse daran. Diese Tatsache, zudem ein so prominentes Vorbild wie der Schauspieler Heiner Lauterbach, der auch erst jetzt, im fortgeschrittenen Alter, Klavier lernt, sowie ermutigende Berichte über die Erfolgsaussichten musikalisch spät Berufener ermutigten mich, mich einmal daran zu versuchen, das Spielen eines Musikinstru-ments zu erlernen. Am sympathischsten sind mir dabei seit jeher die Tasteninstrumente, deren Klang mir gefällt und deren virtuose Beherrschung durch prominente Künstler mich neidvoll fasziniert.

 

Also dachte ich irgendwann „Besser spät als nie“, „Versuch macht klug“ und „Es steht ja keiner hinter mir, der mir Druck macht und mich bewertet. Wenn's nicht klappt, kann ich jederzeit aufhören“.

 

Und so erwarb ich im März 2019, mit 56 Jahren, ein gebrauchtes Keyboard und begann, mich damit vertraut zu machen. Ich gehe so etwas gerne als Autodidakt an, ohne die Zwänge eines Kurses oder Lehrmeisters / einer Lehrmeisterin. (Übrigens liegt ein Vor-zug eines elektronischen Instruments darin, mithilfe eines Kopfhörers seine Mitmenschen verschonen zu können. Bei der Auswahl sollte man zudem darauf achten, dass das Instrument über eine Anschlagsdynamik verfügt.)

 

Aller Anfang ist schwer. Und schwerfällig ist auch mein Start mit dieser gänzlich fremden Materie und mit völlig ungewohnten Be-wegungsabläufen. Es gilt zunächst, einige grundsätzliche Regeln zu verinnerlichen: Es braucht Geduld und Ausdauer, man sollte regelmäßig, in kleinen Schritten und mit wirklich sehr sehr vielen Wiederholungen sein Gehirn für die neue Aufgabe trainieren. Dabei bedeutet üben für mich, entspannt, konzentriert und mit Freude Zeit mit dem Thema und dem Instrument zu verbringen, um sich damit vertraut zu machen. Sich zu schnell zu viel abzuverlangen, endet im Frust. Der Reiz und der Spaß an noch so kleinen Fortschritten sind die besten Garanten für ein bleibendes Interesse, für Ausdauer und langfristigen Erfolg. Wie gesagt, Geduld und eine gewisse Bescheidenheit und Nachsicht sich selbst gegenüber gehören dazu. Auch jeder kleinste Fortschritt ist eben doch ein Fortschritt.

 

Ich freue mich über jeden mühsam errungenen Erfolg wie Bolle und bin dann über das Erreichte stets stolz wie Oskar, auch wenn etwa ein Lang Lang wahrscheinlich noch nicht mal müde darüber lächeln könnte. Ein Konzertpianist wird nun ganz gewiss nicht mehr aus mir werden. Muss es aber auch nicht. Wichtig sind der Spaß und die ständig wachsende Motivation. Ganz egal, ob ich mit meinen Hörproben einen Saal voll kriege oder doch eher leer.

 

Ich möchte hier einfach in loser Folge meine Ergebnisse und Erfahrungen präsentieren. Mag jede/r selbst beurteilen, ob das hier Geschriebene sie oder ihn in der Sache zur Eigeninitiative anregt oder nicht. Ich kann nur dazu raten, sich an das Erlernen eines Musikinstruments heranzuwagen.

 

 

Improvisation I in Moll

Dreamy Sounds

Fuchs, du hast die Gans gestohlen

Very Easy Boogie Woogie

 A Moll Akkordfolge A-D-A-E-D-A

Improvisation mit Septakkorden D-G-C

Experimental C A F G

Dreamy Feeling I

Dreamy Feeling II

Little Child Theme

Unbekannte Tonfolge (Kann mir jemand sagen, woher die stammt? Ich krieg's nicht raus ...)

Only Black Keys

Just Another Exercise (Not Yet Perfect)

Scarborough Fair

Scarborough Fair (zweite Version)

La fin des vacances

 

Wenn es darum geht, mich mit neuen Dingen vertraut zu machen, ziehe ich es grundsätzlich vor, meinen ganz eigenen Weg dafür zu finden, je nach Thema kann es da durchaus schon mal hilfreich sein, etwa auf Literatur zurückzugreifen, die eigentlich für Kinder gedacht ist. In gleicher Weise ist z.B. auch die Sendung mit der Maus nicht nur für Kinder lehrreich und interessant, sondern auch für viele Erwachsene.

 
Klavierunterricht z.B. scheue ich nicht allein wegen der damit verbundenen Kosten, der Bindung an einen bestimmten Lehrer oder an eine bestimmte Lehrerin oder wegen der langfristigen terminlichen Verpflichtung. Allein schon bei der Sichtung alternativen Lehrmaterials in Literatur und Onlinetutorials stellt man als Suchende/r schnell fest, dass nicht jede Herangehensweise, jede Form der Darstellung und jeder Typ Mensch gleichermaßen geeignet sind, einem den Zugang zu einem neuen Gebiet zu erleichtern und die Motivation zu wecken und aufrecht zu erhalten. Die Wahl der richtigen Quelle ist ein Glücksgriff, flexible Korrekturen sind eher möglich, wenn man sich nicht zu früh vertraglich bindet. Dem steht allerdings auch die Gefahr gegenüber, sich in der Auswahl der unterschiedlichen Methoden zu verzetteln.

 

Ich versuche immer, die unvermeidliche Anstrengung und Disziplin mit dem Faktor Spaß zu verknüpfen. Routine, Strenge, Zwang und übermäßige Reglementierungen sind der Tod jeder Motivation. An etwas Freude zu entwickeln und zu behalten, was man als stumpfsinnige Plackerei wahrnimmt, ist schwierig. Derzeit scheint mir eine Kombination aus schriftlichem Lehrmaterial und solchen aus Videotutorials am nützlichsten zu sein. Bei einer realistischen Zielsetzung wirken sich relativ schnelle Erfolge ermutigend und förderlich aus. Aber ohne eine gewisse Beharrlichkeit und Ausdauer geht gar nichts.

 

Theorie lässt sich am besten schriftlich vermitteln und ist, auch wenn sie streckenweise trocken und langweilig erscheinen mag, nicht völlig verzichtbar. Hier kann ich „Meine erste Keyboardschule“ von Jens Rupp empfehlen (ISBN 9783866421165) sowie „Perfekt Noten lernen“ von Alfred Pfortner (ISBN 9783927547056). Was Videotutorials betrifft, gefällt mir die lockere und unverkrampfte Art, in der verschiedene englischsprachige Lehrer und Lehrerinnen ihre Inhalte auf der Basis populärer Musik präsentieren.

 

Denen gegenüber wirken deutschsprachige Präsentatoren klassischer Ausrichtung trotz ihres unterstellten Wissens, ihrer Erfahrung und ihres Erfolgs vielfach trocken und ermüdend.

 

Natürlich steht dem Studium englischsprachiger Tutorials z.T. die Sprachbarriere insbesondere bei Fachbegriffen und bei der  Benennung einzelner Noten entgegen. Wen das nicht stört, dem kann ich z.B. Lektionen von Lisa Witt von Pianote empfehlen.

 

 

Theorie und Motivation

 

Mit theoretischen Grundlagen ist das so eine Sache, ja es ist geradezu eine Crux: Einerseits ist Theorie in vielen Bereichen unverzichtbar, andererseits ist sie allzu oft eine staubtrockene, oft ziemlich abstrakte und daher schwer verdauliche Materie, mit der sich zu beschäftigen einem eine gewisse Disziplin und regelrechte Überwindung abverlangt. Und damit ist sie geeignet, einem den Appetit an einem ganzen Thema zu verderben oder ihn zumindest doch stark zu beeinträchtigen. Wenig hilfreich und tröstlich ist dabei, dass ausgesprochen fitte Theoretiker oft schlechte Praktiker sind.

 

Alles Populärwissenschaftliche ist deshalb populär, weil es entweder auf abstrakte Theorie ganz verzichtet und nur leichtverständliche, anschauliche Fakten präsentiert oder weil es gelingt, auch Abstraktes derart anschaulich darzustellen, dass es auf den Lernenden gar nicht mehr so dröge wirkt. Leider ist es sehr viel leichter, einfache Dinge umständlich (und z.B. mit vielen Fremdwörtern und Fachbegriffen) zu erklären, als komplexe Inhalte leicht fasslich aufzubereiten.

 

Als Autodidakt hat man die Chance, aber auch die Last, sich das Lehrmaterial (ebenso wie Video-Tutoren) auszusuchen, das es einem leicht macht, sich eine neue Materie zu erschließen.

 

Prinzipiell sind visuelle oder audiovisuelle Medien durch ihre Anschaulichkeit hilfreicher, als es ein nur auf Worten basierendes Medium je sein kann. Bildhafte Darstellungen machen ein Medium und seine Inhalte attraktiv und lebendig, sie wecken und fördern das Interesse und sprechen einen auf den ersten Blick an. Das kann man allein schon dann sehen, wenn man z.B. ein Lehrbuch mit sehr spärlichen Illustrationen mit einem solchen vergleicht, das gar nicht illustriert ist und dessen Layout und Gliederung zu allem Überfluss auch noch besonders wenig Lust aufs Lesen machen.

 

 Das erfahre ich gerade bei der Beschäftigung mit Musiktheorie, Taktarten und Rhythmus.

 

 Ich kann hier drei Medien guten Gewissens besonders empfehlen:

 

Das Buch „Allgemeine Musiktheorie anschaulich erklärt“, erschienen bei DorlingKindersley, das Buch „Start Cool“ von Daniel McFarlane, erschienen im ZauberKlavier-Verlag mit leichten und sehr leichten, progressiv geordneten Klavierstücken für Kinder und Erwachsene sowie die Android-App „Beatronom“, bei der es sich um ein visuell unterstütztes, frei konfigurierbares Metronom handelt, mit dem man auf einfache Weise etwas lernt über Notenwerte, Taktarten, Triolen, Pausen und Rhythmus.

 

Noten lesen und schreiben zu können, ist eine Fertigkeit so fundamental wie das Lesen und Schreiben von Buchstaben, das Rechnen, das Schwimmen oder das Fahrrad fahren. Aller Anfang ist schwer. So ist es auch damit, die Töne, die auf der Klaviatur von links nach rechts angeordnet sind, im Notensystem wiederzuerkennen, in dem die tiefen Töne nun mal unten und die hohen oben sind, was zwar dem Namen nach nur logisch ist, vor dem geistigen Auge des angehenden Keyboarders aber doch gewissermaßen eine Neigung um 90° erfordert, um das eine mit dem anderen buchstäblich miteinander in Einklang zu bringen.

 

Alles ist erst mal Neuland: Noten, Notenwerte, Notenlinien, Notenschlüssel, Takte, Taktarten, Triolen, Tonarten, Akkorde und ihre Umkehrungen und und und … Da kann einem als Anfänger schon mal der Kopf rauchen.

 

Der Einfachheit halber habe ich anfangs Tonfolgen als reine Buchstabenfolgen notiert. Und von besonders komplex und damit eher abstoßend und verwirrend wirkenden Notenbildern bekannter Stücke kann man sich als Neuling auf den ersten Blick schon mal geradezu erschlagen fühlen. Wie bei so Vielem, so empfiehlt es sich aber auch hier, mit kleinen Schritten zu beginnen. Eine hilfreiche Unterstützung dabei kann ein Notations- oder Notensatzprogramm sein. PriMus Free ist ein solches Programm, und ein kostenloses und einfach zu bedienendes noch dazu. Da kann man mit dem Setzen von Noten, Punktierungen, Pausen, Haltebögen usw. mal völlig frei experimentieren und sich anschließend auch anhören, ob sich das, was man da geschrieben hat, am Ende auch so anhört, wie es klingen sollte. Ich halte das für einen gangbaren Weg, sich auf diese Weise – also nach der Versuch-und-Irrtum-Methode – mit der Materie vertraut zu machen. - Und die Verwendung von Tastenaufklebern mit den Namen der Noten erleichtert fürs Erste die Suche und Zuordnung.