Beweggründe

 

 

Die Fotografie hat sich weiterentwickelt: von Schwarzweiß- zu Farbaufnahmen, von monokularen zu binokularen und damit stereoskopischen Abbildern bis hin zu digital-hochauflösenden Darstellungen und HDR-Aufnahmen. Aber zwei Elemente unserer Wahrnehmung fehlen immer: Die Zeit, und damit die Dimension der Bewegung, und auch der Ton.

 

Die Ausdrucksmöglichkeiten des bewegten Bildes gehen über die Möglichkeiten von Standbildern und Momentaufnahmen hinaus. Viele Darstellungen in der klassischen Fotografie wirken auf mich in ihrer Statik zu streng, zu ernst, zu kalt, zu steril. Allein die Bewegung von Wasser, Wolken, Gräsern, Bäumen und Blättern im Wind sind Dinge, die die Fotografie nicht oder nur sehr unvollkommen darzustellen vermag. Und was in der zweidimensionalen Fotografie kaum auffällt oder stört, wird bei dreidimensionaler Präsentation in seiner Unnatürlichkeit offenkundig und überdeutlich, indem es jeder Szenerie augenfällig etwas Wachsfigurenhaftes und Freeze-frame- oder Dornröschenmäßiges verleiht.

 

Allesamt Gründe, mich nicht allein auf die Fotografie zu beschränken. Allerdings stellt sich bei der Videografie zuweilen ein Problem, welches die Fotografie naturgemäß nicht kennt: Wie soll man die Zeit füllen? Andererseits bietet sich auch eine der Filmkunst ganz eigene Art der Verfremdung: die Zeitlupe. Verlangsamte Bewegungen scheinen insgesamt fließender, gemächlicher, ruhiger und offenbaren Details, die man im normalschnellen Ablauf übersieht. Zeitlupenaufnahmen schaffen eine ganz eigene, gleichsam traumhafte Wirklichkeit.

 

Ich habe damit experimentiert. Freundlicherweise gab mir Nina als Model dazu die Gelegenheit, was umso dankenswerter ist, als viele Models - aus welchen Gründen auch immer - Videoaufnahmen kategorisch ablehnen. Ich habe versucht, so etwas wie Unbeschwertheit und Leichtigkeit darzustellen, was eine gewisse Anmut und Jugend des Models erfordert. DIch bin mit den Ergebnissen zufrieden, sie sind in etwa so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Insofern trägt das Resultat seinen Sinn in sich selbst, so wie ein Spaziergang zum Beispiel. Wer sich in seiner Freizeit mit Modellflugzeugen oder einer Modelleisenbahn beschäftigt, weiß vielleicht, was ich meine. Es gibt eben noch Dinge, die tut man für sich und die brauchen keinen Wettbewerb.